Donnerstag, 6. Juli 2023

Altkreis-Tagebuch (XXXXVII)

Auch Sissi bekam
einen gelben Zettel
mit dem Spruch
"Sleep well Justice".
Foto: Tjaden


Über die richtige Reihenfolge

In der Unterkunft Drei Eichen gehen sich die beiden Streithähne nun aus dem Weg. Sieht man den einen, hält der andere Abstand. Der Hausmeister  hat mir berichtet, er hätte mit den beiden gesprochen und ihnen gesagt, dass "Zuschlagen und dann die Polizei anrufen" die falsche Reihenfolge sei.

Die zuständigen Gerichte anrufen und dann den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, ist nach Lage der Rechts-Dinge die richtige Reihenfolge. Nach Telefonterror meines Vermieters RB Living auf Madeira am 10. August 2022 ("Gehen Sie doch in Ihr Land zurück"), Drohungen des Vermieters am 3. Februar 2023 ("Wenn Sie Ihre Sachen nicht packen, mache ich das für Sie") und einem Messerangriff einer Mitbewohnerin unserer Wohngemeinschaft (Aktenzeichen 725082023) am 9. Februar 2023 habe ich die Insel am 11. März 2023 verlassen, seit dem 27. März 2023 wohne ich in der Notunterkunft Drei Eichen in Burgdorf bei Hannover.

Vor meinem Abflug habe ich in Funchal und drumherum noch eine Gelbe-Zettel-Aktion gestartet. Die weckte die Justiz keinesfalls. Ein Aktenzeichen bekam ich auch nur für den  Messerangriff. Bisher aber auch nur von dem Polizeibeamten, der meinen Strafantrag entgegennahm.

Nach deutschem Recht handelt es sich zumindest bei der Messerattacke um ein Delikt, das die Staatsanwaltschaften auch ohne Antrag verfolgen müssen. Wird das unterlassen, handelt es sich um ein Dienstvergehen, das bestraft wird. Aus dem EU-Recht nationales Recht bricht, gilt das auch für Portugal. Ich als EU-Bürger habe das Recht auf Verfahren in einer angemessenen Zeit.

Wenn ich bis Ende Juli 2023 keine Termine für die fälligen Verfahren habe, wende ich mich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Übrigens: Ich habe auch den Ratschlag des Landeskriminalamtes Niedersachsen (Vorgangsnummer 202300166695) befolgt, die deutsche Botschaft in Lissabon einzuschalten. Hat auch nichts geholfen. 

In der Unterkunft Drei Eichen bin ich zum Gesprächspartner für alle geworden. Ich helfe, wo ich kann. 

Auf zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Montag, 3. Juli 2023

Altkreis-Tagebuch (XXXXVI)

 

Er hat erst angefangen,
es wird immer mehr.
Foto: Heinz-Peter Tjaden


2. Juli 2023                                                                                                                Wenn eine Kartoffel aus dem Fenster fliegt

"Moment", sagt Bernhard (Adliger, Spion, Hacker, Krieger), "ich werfe nur noch die Kartoffel raus."

Im ersten Moment begreife ich nicht, was ich gerade gehört habe. Denn ein solcher Satz ist für mich völlig neu und wohl nur bei den Hohenzollern üblich, zu denen Bernhard in seinen Märchenstunden gehört. Bevor ich das Fenster schließe, bemerke ich den Müll, der bereits draußen liegt. Offenbar wirft er Abfälle nicht nur aus dem Fenster des Gemeinschaftsraumes, sondern auch aus dem Fenster seines Zimmers im ersten Stock. Auch Zeitungen hat der Regen der vergangenen Stunden inzwischen aufgeweicht. 

"Bitte, keinen Müll aus dem Fenster werfen", schreibe ich auf einen Zettel, bevor ich zu meinem morgendlichen Sonntagsspaziergang aufbreche, der mich zu einer Tankstelle im Berliner Ring führt. Dort trinke ich Kaffee, der mich munter macht. Für einen Bewohner der Unterkunft Drei Eichen bringe ich Zigaretten in einer Riesenschachtel für fast 15 Euro mit. Heute hat Helmut (Burgdorfer, 78) mich darum nicht gebeten. 

Der Kaffee schmeckt. Bernhard kommt herein. Er kauft Zigaretten für Helmut, erzählt der Mitarbeiterin, dass er zu den Hohenzollern gehört und gleich als Mitglied des ältesten Schützenvereins am Schützenausmarsch in Hannover teilnehmen wird. Dort warte man bereits auf ihn. Dann fragt er noch nach einer Kundenkarte. Er redet und redet.

Anschließend kann die Mitarbeiterin verstehen, wie nervend Bernhard sein kann.

"Er ist in seiner Kindheit stecken geblieben", sage ich. "Auch Kinder denken sich vieles aus."

Inzwischen marschieren die Schützendamen und Schützen durch die City von Hannover, Bernhard steht in der Küche, das verlorene Mädchen von nebenan ist auch schon da gewesen, ich warte immer, bis sie mich um eine Zigarette bittet. 

Samstag, 1. Juli 2023

Altkreis-Tagebuch (XXXXV)

Kein höherer Wasserverbrauch in Hannover

Auf den Wasserverbrauch in Hannover wird sich das nicht auswirken: Carsten S. hat gestern Morgen die Unterkunft Drei Eichen 1 A verlassen. Er will sich in Hannover etwas Neues suchen. Ohne Dusche und Waschbecken.

An diesem Wochenende stinkt es in der Unterkunft also nicht mehr, auch ruhiger wird es. Nach dem Faustschlag, mit dem Bernhard (Adliger, Spion, Hacker, Wunderheiler, Krieger aus Burgdorf) niedergestreckt worden ist, verebbt sein Redefluss ein wenig. Er quasselt mir auch nicht mehr schon beim Frühstück ins Brötchen und erfindet weniger Geschichten als vor dem Faustschlag.